Die 19-Stunden-Marke im Mont-Blanc-Massiv ist keine Utopie mehr, sie ist das Ziel. Während sich Chamonix auf eine der angespanntesten Editionen vorbereitet, an die ich mich in meinen fünfzehn Jahren an der Strecke erinnern kann, liegt der Fokus nicht nur auf den 174 Kilometern und den 9.900 Höhenmetern, die das Flaggschiff-Rennen definieren. Das eigentliche Thema auf der Place de l'Église ist die Topform einer Elite, die bereit ist, die Bestzeit von 2022 zu pulverisieren – trotz einer Wettervorhersage, die mit Gewittern am Grand Col Ferret droht.
Der Kampf um die weltweite Trail-Vorherrschaft
Es geht nicht nur ums Laufen; es geht um Politik und extreme Leistung. Nach den Boykott-Androhungen und den Spannungen mit der PTRA wegen des World-Series-Kalenders haben die Athleten beschlossen, dort zu sprechen, wo sie es am besten können: auf dem Trail. Das Duell über die 100-Meilen-Distanz verspricht erbittert zu werden. Die Ultra-Spezialisten wissen, dass der Abschnitt zwischen Courmayeur und Champex-Lac zum Friedhof der Ambitionen werden wird. Wer die Wand beim Aufstieg nach Bovine nicht richtig einteilt, wird auf den letzten 40 Kilometern Bekanntschaft mit dem Mann mit dem Hammer machen.
Extreme Technizität gegen Geschwindigkeit
Während der UTMB alle Blicke auf sich zieht, hat die PTL bereits ihre „Gladiatoren“ auf die 300 Kilometer lange, unmarkierte Strecke geschickt – purer Überlebenskampf, der dieses Jahr noch exponiertere Gratpassagen bereithält. Parallel dazu hat sich der CCC als das Rennen mit der höchsten Talentdichte pro Quadratmeter etabliert. Bei 101 Kilometern purer Beinbrecher-Pfade ist das Starttempo ab Courmayeur meist suizidal, eher vergleichbar mit einem Straßenmarathon als mit einem alpinen Ultra. Die Läufer des OCC hingegen erwartet ein überfüllter erster Singletrack, bei dem die Positionierung entscheidend ist, um nicht im Flaschenhals vor dem ersten großen Aufstieg im Wallis steckenzubleiben.
Der TDS bleibt das schwarze Schaf und das am meisten gefürchtete Rennen der Veteranen. Die 9.500 Höhenmeter auf „nur“ 145 Kilometern sind eine technische Falle, in der das Management der Pflichtausrüstung und die Hydration über Podium oder DNF im Beaufortain entscheiden. Der Boden ist trocken, Staub wird in den technischen Downhills ein entscheidender Faktor sein, und der Druck um die Ranking-Punkte war noch nie so erstickend.