Rick Steffen kommt mit einer Zielscheibe auf dem Rücken und der Chance auf Geschichtsträchtiges am Nürburgring an. Der Fahrer des ROSE Racing Teams, der die letzten zwei Ausgaben absolut dominierte, strebt an diesem Wochenende eine Leistung an, die sich kaum jemand vorstellen mag: den dritten Sieg in Folge in der Kategorie 24h Rad am Ring - Einzelfahrer. Es ist nicht nur eine Frage der Ausdauer; es ist ein Kampf gegen den Mythos der Nordschleife – ein Kurs, der nicht den geringsten Rechenfehler bei der Verpflegung oder beim Laktatmanagement verzeiht.
Die Kulisse ist dieselbe, doch der Druck ist gestiegen. Mit über 12.000 Höhenmetern für diejenigen, die aufs Podium schielen, liegt der Schlüssel erneut im Sektor Hohe Acht. Diese 17%-Steilwand wird nach zwanzig Stunden im Sattel zur psychologischen Folter, wenn der Windschatten wegfällt und jeder Fahrer gegen seinen eigenen inneren Schweinehund kämpft. Steffen hat bereits letztes Jahr bewiesen, dass er in der Lage ist, ein unverschämtes Watt-pro-Kilogramm-Verhältnis zu treten, selbst wenn die Sonne auf den perfekten Asphalt der Grand-Prix-Strecke brennt.
Die Gefahr von Asphalt und Eifelwind
Im Gegensatz zum Vorjahr, das von einer Hitzewelle geprägt war, die viele Ambitionen schmelzen ließ, deuten die Vorhersagen für diesen Freitag auf die typische Unbeständigkeit von Rheinland-Pfalz hin. Böiger Wind im Bereich der Fuchsröhre, wo schwindelerregende Geschwindigkeiten von fast 100 km/h erreicht werden, könnte der Faktor sein, der die Gruppen in den Jedermannrennen 150 km und 75 km sprengt. Auf einem Kurs mit 72 Kurven pro Runde zählen technische Linienwahl und Mut in den Abfahrten genauso viel wie die reine Ausdauer.
Ein Watt-Festival ohne Pause
Während sich die Ultra-Spezialisten auf eine Nacht mit Stirnlampen und Grabesstille im Wald vorbereiten, startet das Programm mit der Explosivität des Rad am Ring Zeitfahren. Es sind zwar nur 22 Kilometer, aber das Design des Zeitfahrens erzwingt einen brutalen Übergang zwischen Flachstücken und Rampen, die einem den Atem rauben. Es gibt keinen Raum zur Erholung; es ist eine Übung an der reinen anaeroben Schwelle, bevor die Grüne Hölle ihre Tore für das internationale Peloton öffnet, das auch in diesem Jahr wieder alle verfügbaren Startnummern vergriffen hat.