Der Dreiweiberner See ist nicht nur ein See im Herzen Sachsens; an diesem Wochenende verwandelt er sich in ein gläsernes Velodrom, in dem der Streckenrekord über die Königsdistanz (226 km) angesichts eines Elitefeldes, das auf dem extrem flachen Kurs Bestzeiten anstrebt, am seidenen Faden hängt. Mit praktisch null Höhenmetern hat sich die 38. Auflage des Sparkassen KnappenMan als Mekka für „Fast-Course“-Spezialisten in Deutschland etabliert und lockt Zeitfahrexperten nach Lohsa, die nur ein Ziel haben: auf dem Radsektor Durchschnittsgeschwindigkeiten am Limit zu fahren.
Watt-Tyrannei auf dem Asphalt von Lohsa
Was diesen Termin von anderen Langdistanz-Triathlons unterscheidet, ist das topografische Profil. Hier gibt es keine Pässe, die das Urteil fällen, und keine technischen Abfahrten zur Erholung; es ist ein Kampf der konstanten Wattzahlen gegen den Wind der Oberlausitz. Die Triathleten, die am Sonntag die Langdistanz in Angriff nehmen, wissen, dass das Windschattenfahren (Drafting) das große Thema für die Kampfrichter sein wird – auf einem Kurs, auf dem die Versuchung, im Sog zu fahren, aufgrund der extrem hohen Geschwindigkeiten ständig präsent ist. Die eigentliche Nachricht in diesem Jahr ist der Angriff auf die Sub-8-Stunden-Marke, eine Zeit, die hier greifbarer scheint als je zuvor, sofern das Wetter den Übergang zum Marathon zulässt.
Ein Festival der Wechselzonen und Distanzen
Der Betrieb in der Wechselzone wird bereits ab Samstag, dem 29., hochkochen. Während die Ausdauer-Puristen auf ihren Einsatz warten, dienen die Distanzen Super Sprint (Jedermann), Sprint und die Kurzdistanz (Olympisch) dazu, die Wassertemperatur und die Härte des Asphalts zu testen. Das Format des KnappenMan erlaubt eine faszinierende technische Entwicklung: von den Neulingen beim Debüt auf der Kurzstrecke bis hin zu den Veteranen, die ihren persönlichen Slot auf der Mitteldistanz am Sonntag suchen. Die Organisation hat die Verpflegungsstationen verstärkt, wohlwissend, dass auf einem so schnellen Kurs der „Mann mit dem Hammer“ durch Dehydrierung auf den letzten Kilometern des flachen Marathons gnadenlos zuschlagen kann.
Der Fokus der Analysten liegt auf der Laufstrecke rund um den See. Da es sich um ein Gelände ohne Höhenmeter handelt, ist die Belastung für die Gelenke konstant und erlaubt keine organischen Rhythmuswechsel. Es ist eine Prüfung für menschliche Metronome. Wer es schafft, die Trittfrequenz nach 180 Kilometern in Aero-Position beizubehalten, wird nicht nur den Sieg in Sachsen davontragen, sondern möglicherweise eine der schnellsten Zeiten erzielen, die diese Saison auf europäischem Boden gemessen wurden.