Der Mythos, die walisischen Berge seien bloße Hügel, verfliegt in dem Moment, in dem der erste Läufer das technische und völlig durchweichte Gelände von Snowdonia betritt. Diese Woche ist der Ultra-Trail Snowdonia (UTS) nicht nur ein Stopp der UTMB World Series; es ist ein wahres Gemetzel an Höhenmetern, bei dem sich der UTS 100M mit seinen brutalen 9.500 positiven Höhenmetern auf 164 Kilometern als härtester Ausdauertest Großbritanniens etabliert hat. Die eigentliche Nachricht in diesem Jahr ist nicht nur die Härte, sondern die Dichte des Elitefeldes, das verzweifelt nach 'Running Stones' für das Finale in Chamonix jagt und Llanberis zum Epizentrum des kontinentalen Trailrunnings macht.
Der technische Faktor: Wo Rekorde zerschellen
Im Gegensatz zu den flüssigen Singletrails der Alpen erzwingen der UTS 100K und sein großer 100-Meilen-Bruder einen unruhigen Rhythmus. Wir sprechen von ausgesetzten Graten, instabilen Geröllfeldern und dem gefürchteten Aufstieg zum Snowdon (Yr Wyddfa), der in diesem Jahr durch die jüngsten Regenfälle besonders tiefen Boden aufweist. Skyrunning-Spezialisten sind hier gegenüber reinen Straßenläufern klar im Vorteil. Der UTS 100K mit 6.500 Höhenmetern gilt unter Experten als die ausgewogenste, aber auch gefährlichste Strecke, auf der das Management der Pflichtausrüstung und die Verpflegung bei extremer Feuchtigkeit darüber entscheiden, wer das Ziel erreicht und wer mit einem DNF vorzeitig ausscheidet.
Duelle im Schatten und Jagd auf die Bestzeit
Das Augenmerk liegt auf der Fähigkeit internationaler Athleten, sich an das traditionelle 'Fell Running' im Ultra-Format anzupassen. Während der UTS 80K ab Caernarfon mit 2.500 Höhenmetern ein etwas schnelleres Profil bietet, richten sich die technischen Blicke auf den UTS 50K am Samstag. Auf dieser Distanz wird die Explosivität auf den technischen Singletracks der Schlüssel sein, um die bestehenden Streckenrekorde zu brechen. Der ERYRI 25K schließt das Event am Sonntag ab und dient als Gradmesser für junge Talente auf der Kurzstrecke. Die Organisation hat die Kontrollpunkte aufgrund der Vorhersage von dichtem Nebel in den Hochlagen verstärkt – ein Faktor, der in der Vergangenheit immer wieder zu fatalen Navigationsfehlern bei Spitzenläufern führte, die sich blind auf ihren GPS-Track verließen.