Der Granit des Val Masino kennt weder Diplomatie noch meteorologische Gnade. An diesem Samstag ist die Trofeo Kima nicht nur ein Rennen; es ist die Reifeprüfung, bei der Klettertechnik und Ausdauer auf einer Strecke verschmelzen, die viele als die technisch anspruchsvollste der Welt bezeichnen. Mit 52 Kilometern und satten 8.400 Höhenmetern ist die große Frage an der Startlinie in Filorera, ob jemand in der Lage sein wird, die Vorherrschaft von Manuel Merillas in einem Gelände infrage zu stellen, in dem sich der Spanier bewegt, als hätte er Krallen statt Laufschuhe.
Der technische Faktor: Ketten, Gletscher und Chaos
Dies ist kein gewöhnlicher Ultra Trail. Die Kima ist Skyrunning der alten Schule. Die Überquerung der sieben Pässe über 2.500 Metern, wie der gefürchtete Passo del Cameraccio, erfordert eine Agilität, die weit über reine Wattleistung in den Beinen hinausgeht. Berichte lokaler Bergführer deuten darauf hin, dass die Altschneefelder in gemischtem Zustand sind, was die Elite-Läufer zwingt, an den Kettenpassagen extrem vorsichtig zu sein. Hier führt ein Fehltritt auf nassem Fels nicht nur zu einem Stolperer, sondern zum sofortigen DNF.
Die Extreme-Alternative und die Talentschmiede der Mini
Während das Rampenlicht auf der 50K-Königsdisziplin liegt, präsentiert sich die 27,5 Kilometer lange Kima Extreme SkyRace® in diesem Jahr als Hexenkessel. Mit 1.850 konzentrierten Höhenmetern im Aufstieg zieht sie Kurzstreckenspezialisten an, die die Uhr sprengen wollen, ohne das Energiemanagement der Hauptprüfung berücksichtigen zu müssen. Es ist die ideale Bühne für junge Talente, die noch nicht die Kilometer für die volle Kima in den Beinen haben, aber technische Single-Tracks mit einer unverschämten Leichtigkeit meistern. Parallel dazu hält die 6 Kilometer lange Mini Kima die Flamme des Nachwuchses in der Lombardei am Brennen und gibt den Geist des Val Masino an die nächste Generation weiter, ohne sie den Risiken des Hochgebirges auszusetzen.
Die Rekordmarke
Die Luft im Val Masino knistert vor Spannung. Die Puristen der Stoppuhr beobachten die Zwischenzeiten genau. Sollten die Sichtverhältnisse auf den Graten stabil bleiben, könnte der Streckenrekord wackeln. Der Schlüssel liegt im finalen Abstieg ins Ziel: ein brutaler Beinbrecher, bei dem die Quadrizeps oft den Dienst quittieren, nachdem sie stundenlang der ständigen Spannung in ausgesetzten Passagen ausgesetzt waren. Merillas kennt jeden Stein, doch der Druck der neuen internationalen Läufergeneration, angezogen vom Mythos dieses heiligen Granits, verspricht eine taktische Schlacht vom ersten Meter des Aufstiegs an.