Das Fehlen von Pässen in der Emilia-Romagna ist keineswegs gleichbedeutend mit einer gemütlichen Kaffeefahrt – der Gran Fondo del Po erinnert jedes Jahr im März eindrucksvoll daran. Mit Start am imposanten Castello Estense in Ferrara bestätigt diese zwölfte Auflage ihren Ruf als eines der schnellsten und taktischsten Rennen im italienischen Kalender. Hier ist der wahre Feind nicht die Steigung, sondern die Böen, die über die Ufer des längsten Flusses Italiens peitschen.
Strategie in der Ebene: Faktor Wind
Auf einer Strecke, die in der Langdistanz kaum 471 Höhenmeter aufweist, ändert sich das Belastungsmanagement radikal. Es gibt keine Rampen, um die Gruppe zu sprengen; die Selektion erfolgt über pure Kraft und die Fähigkeit, in der Windkante zu fahren. Wer sich für den Percorso Lungo über 131 Kilometer entscheidet, muss die exponierten Abschnitte an den Po-Dämmen meistern, die Provinz Rovigo durchqueren und über die „Sinistra Po“ zurückkehren – einen der längsten und spektakulärsten Radwege Europas. Hier sind eine hohe Trittfrequenz und absolute Konzentration gefragt, um den Anschluss ans Peloton nicht zu verlieren.
Zwei Distanzen für einen elektrisierenden Saisonauftakt
Die Organisation hat zwei Varianten entworfen, die das Wesen der Ferrareser Ebene widerspiegeln. Der Percorso Corto über 85 Kilometer ist die ideale Wahl für alle, die Intensität suchen, ohne sich dem extremen Verschleiß der Langstrecke auszusetzen, inklusive der Passagen durch Pontelagoscuro und Ro Ferrarese. Die 131-Kilometer-Schleife hingegen führt tief in das Herz des Deltas bis nach Ariano nel Polesine, bevor es zurück Richtung Via Bacchelli geht.
Das Reglement ist streng: Der Start erfolgt am 15. März 2026 um 09:00 Uhr. Der Kontrollschluss wird durch das „Ende des Rennens“-Fahrzeug markiert, das einen Schnitt von 24 km/h fährt. Wer dahinter zurückfällt, gilt als normaler Radtourist gemäß der StVO und verliert den Schutz der gesperrten Straßen. Die Startnummernausgabe und das Veranstaltungszentrum befinden sich im Palapalestre und unterstreichen Ferraras Status als Fahrradstadt par excellence, in der der flache Asphalt eine technische Härte verbirgt, die nur erfahrene Roller zu schätzen wissen.