Der Allier wird nicht die erhoffte Abkühlung bringen: Die eigentliche Nachricht in Vichy ist nicht die Startliste, sondern die Wettervorhersage, die die Radstrecke in einen Freiluftofen zu verwandeln droht. Bei Temperaturen von fast 35 Grad in der Mittagshitze bereitet sich der IRONMAN Vichy auf eine Überlebensschlacht vor, bei der das Glykogen-Management und vor allem der Elektrolythaushalt darüber entscheiden werden, wer das Ziel erreicht und wer im Sanitätszelt landet.
Faktor Neopren: Ein Glücksspiel
Das große Rätselraten im Fahrerlager dreht sich dieser Tage um die Wassertemperatur. In Vichy reizt das IRONMAN-Reglement die Grenzen oft aus; steigt das Thermometer über 24,5 Grad, wird das Tragen von Neoprenanzügen für die Agegrouper verboten. Dies würde das Szenario für weniger erfahrene Schwimmer auf den 3.800 Metern radikal verändern und sie zu einer Zusatzanstrengung zwingen, kurz bevor sie auf die Radstrecke gehen, die zwar schnell ist, aber durch die Hitze auf dem Asphalt keine Gnade kennt.
Windschatten-Schlacht und flüssiger Asphalt
Die 180 Kilometer lange Strecke gilt als Drückerstrecke – ideal für Spezialisten in Aero-Position, die jede Sekunde herausholen wollen. Die hohe Teilnehmerdichte des IRONMAN 70.3 Vichy - Relais, das sich Logistik und Atmosphäre teilt, erhöht jedoch den Druck auf die Einhaltung des 12-Meter-Abstands zur Vermeidung von Drafting. Die Kampfrichter auf den Geraden der Auvergne-Rhône-Alpes gelten als unerbittlich, und eine Blaue Karte bei Kilometer 120 kann alle Podiumshoffnungen zunichtemachen.
Beim abschließenden Marathon ist der flache Kurs am Seeufer ein zweischneidiges Schwert. Der Mangel an Schatten wird den Triathleten psychisch alles abverlangen. Der Schlüssel liegt darin, das Pulver nicht schon auf dem ersten Halbmarathon zu verschießen; wer die Durchgangszeiten auf den ersten 21 Kilometern ignoriert, dem droht der Mann mit dem Hammer, wenn die Sonne am höchsten steht. Es ist keine Frage der Wattwerte, sondern eine Frage der Thermoregulation.