Ist es möglich, eine Legende in ihrem eigenen Wohnzimmer zu schlagen, wenn sie dort seit fast einem Jahrzehnt ungeschlagen ist? Das ist die Frage, die über dem Hardtsee schwebt, während wir uns einer neuen Ausgabe des IRONMAN 70.3 Kraichgau nähern. Die große Nachricht ist nicht nur die Rückkehr des Rennzirkus nach Baden-Württemberg, sondern die Teilnahme von Laura Philipp, die mit einer Bilanz von sechs Siegen bei sechs Starts anreist. Die amtierende Weltmeisterin verteidigt nicht nur ihren Titel, sondern eine mystische Unbesiegbarkeit im „Land der tausend Hügel“, die gegen den Lauf der Zeit immun zu sein scheint.
Der Philipp-Faktor und die deutsche Armada
Philipp hat diese Strecke seit 2017 zu ihrem persönlichen Heiligtum gemacht. Doch in diesem Jahr steigt der Druck. Auf der Startliste stehen Namen, die bereits wissen, wie man sie in Bedrängnis bringt, wie etwa Caroline Pohle, deren Schwimmstärke Laura oft zu einer epischen Aufholjagd auf dem Rad zwingt. Dies ist kein gewöhnliches Rennen; es ist ein Watt-Duell auf einem Beinbrecher-Kurs, bei dem die 1.000 Höhenmeter jeden bestrafen, der sein Laktatmanagement nicht im Griff hat, bevor es auf die Halbmarathonstrecke geht.
Ein Kurs, der keine Fehler verzeiht
Das 90 Kilometer lange Segment durch die deutschen Weinberge ist der wahre Scharfrichter. Es gibt zwar keine Alpenpässe, aber das ständige Auf und Ab verhindert einen gleichmäßigen Rhythmus und erzwingt ständige Gangwechsel, die sich beim Wechsel zum Laufen oft rächen. Hier steht das Thema Drafting mehr denn je im Fokus der Kampfrichter, da sich in den verwinkelten Abschnitten schnell Gruppen bilden. Triathleten in der Relay-Wertung (Staffel) haben das Privileg, sich in ihren Abschnitten voll verausgaben zu können, doch für diejenigen, die um die WM-Slots kämpfen, ist das Pacing entscheidend.
Die Wettervorhersage deutet auf einen klassischen Tag Ende Mai hin: moderate Hitze, aber hohe Luftfeuchtigkeit nach dem Schwimmen, was den abschließenden Lauf über drei Runden um den See zu einer Qual machen könnte, sollte der Mann mit dem Hammer zuschlagen. Mit 25.000 Dollar Preisgeld für die Profis und der lokalen Vorherrschaft auf dem Spiel, ist der Kraichgau diese Woche wieder das Epizentrum des europäischen Triathlons. Wir werden sehen, ob jemand in der Lage ist, das Drehbuch zu ändern und Philipps siebten Streich in Folge in ihrem heimischen Garten zu verhindern.