Bozen ist kein Pflaster für Sonntagradler, wenn das Thermometer in Südtirol an der Dreißig-Grad-Marke kratzt und der Asphalt eine glühende Hitze zurückwirft. In dieser Woche ist der 49. Giro delle Dolomiti nicht nur die Summe aus 341,5 Kilometern und fast zehntausend Höhenmetern; er ist die Bühne für eine technische Obsession mit dem Format der Zeitabschnitte, die das Peloton in Radtouristik-Puristen und KOM-Jäger spaltet.
Der Mythos Sellaronda unter der Lupe
Dienstag, der 14. Juli, markiert den kritischen Punkt. Die 2. Etappe, die ikonische Sellaronda, wartet mit 107 Kilometern und 3.100 Höhenmetern auf, die die Regenerationsfähigkeit nach dem Auftakt in Tires auf die Probe stellen werden. Dies ist keine gewöhnliche RTF; hier endet die Windschatten-Strategie in den Tälern abrupt, sobald sich die Straße Richtung Passo Sella oder Pordoi aufbäumt. Die eigentliche Nachricht in diesem Jahr ist das Niveau im Gran-Fondo-Block: Es wird gemunkelt, dass mehrere Ex-Profis aus Kontinental-Teams angereist sind, um die Zeiten in den gewerteten Sektoren zu pulverisieren und das Event in ein echtes Etappen-Bergzeitfahren zu verwandeln.
Ermüdungsmanagement: Vom Ritten zum Passo Rolle
Nach der explosiven 20-Kilometer-Belastung am Ritten, wo mit mörderischem Tempo gefahren wird, steht das Peloton vor dem entscheidenden Block. Am Donnerstag fungiert die doppelte Rampe Richtung San Martino di Castrozza und Passo Rolle (85 km mit 2.480 Hm) als Scharfrichter der Woche. Sportliche Leiter und Haudegen wissen, dass an diesen unerbittlichen Steigungen der Mann mit dem Hammer aufgrund mangelnder Hydrierung im Trentino das gesamte Gesamtklassement ruinieren kann, das in den Zeitsektionen oft nur durch Sekunden entschieden wird.
Das diesjährige Streckendesign bestraft jeden Fahrer, der seinen Wattmesser nicht zu lesen weiß. Mit technischen Etappenfinals wie in Mölten und Jenesien am Freitag hat die Organisation die Zwischenpassagen verschärft, um geschlossene Ankünfte zu verhindern. Es wird erwartet, dass der Kampf um das Führungstrikot über die Fähigkeit entschieden wird, die Leistung über der Funktionsschwelle zu halten – und das an Pässen, die zwar kurz sind, sich aber als echte Beinbrecher ohne Erholungsphasen präsentieren. Die Technologie der neuen elektronischen Schaltgruppen und das Gewicht der Disc-Renner werden mehr denn je zu entscheidenden Faktoren einer Edition, die nach neuen Rekord-Durchschnittsgeschwindigkeiten in den Bergen riecht.