Der Schatten von Marco Pantani schwebt an diesem Sonntag über der 156 Kilometer langen Strecke, auf der der Wind der Adria und der Anstieg zum Montecavallo das Peloton wohl schon frühzeitig sprengen werden. Dies ist keine gewöhnliche Austragung; das 29. Granfondo Via del Sale Fantini Club hat sich als echter Gradmesser für die Form des europäischen Amateur-Pelotons etabliert. Am Start am Lungomare Deledda ist die Anspannung förmlich greifbar – vor allem wegen der hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten, die nach einem ungewöhnlich milden Winter in der Emilia-Romagna erwartet werden.
Die Wand der Cima Pantani: Wo das Laktat das Urteil spricht
Auch wenn die 156 Kilometer mit 2.050 Höhenmetern für Dolomiten-Kenner machbar klingen mögen, sieht die technische Realität anders aus. Die Abfolge kurzer, explosiver Rampen macht das Rennen zu einem echten Beinbrecher. Der kritische Punkt liegt an der Cima Pantani, einem Anstieg zu Ehren des „Piraten“, wo das Watt-pro-Kilo-Verhältnis darüber entscheidet, wer in der Führungsgruppe bleibt. Hier hilft kein Windschatten; es ist ein Kampf purer Kraft gegen die Schwerkraft, bei dem die 34x28-Übersetzungen glühen werden.
Drei Distanzen für ein vielfältiges Schlachtfeld
Die Organisation hat die physische Belastung in drei Optionen unterteilt. Während die Hartgesottenen auf der Langstrecke alles geben, bieten der Percorso Medio über 118 Kilometer und die Mediofondo-Variante über 100 Kilometer (964 Höhenmeter) Alternativen für jene, die ein mörderisches Tempo bevorzugen, ohne sich dem großen Koloss zu stellen. Der strategische Schlüssel liegt dieses Jahr in der Verpflegungsstation-Planung: Die hohe Luftfeuchtigkeit könnte auf den letzten 20 flachen Kilometern zurück nach Cervia für den gefürchteten „Mann mit dem Hammer“ sorgen.
Der Fantini Club stellt nicht nur die Infrastruktur, sondern auch den Druck eines Rennens, das durch Details entschieden wird. Die Passage durch die Salinen von Cervia bei Seitenwind zwingt die Fahrer zur Windstaffel-Formation – eine Technik, die stählerne Nerven und perfekte Positionierung erfordert. Wer im Sektor Bertinoro den Anschluss verliert, kann seine Podiumshoffnungen begraben.