Der Mythos des 1. Mai in Hessen liegt nicht in den Wolkenkratzern von Frankfurt, sondern in den unbarmherzigen Rampen von Mammolshain. Dieser „Beinbrecher“ mit bis zu 26 % Steigung verspricht, am Freitag die Beine tausender Jedermänner zu sprengen, die sich an die ADAC Velotour Taunus Classic wagen. Nach fünfzehn Jahren im europäischen Radsport-Zirkus weiß ich: Kein Event fängt das Wesen des deutschen Radsports besser ein – eine explosive Mischung aus Profi-Infrastruktur und purer Qual für Amateure, die versuchen, auf demselben Asphalt wie das World-Tour-Peloton zu glänzen.
Die Rückkehr des Taunus-Riesen
Im Fokus dieser Edition steht die Rückkehr der anspruchsvollsten Strecke. Nach Jahren logistischer Anpassungen hat die Organisation den 103 Kilometer langen Kurs gefestigt und den Feldberg als entscheidenden Scharfrichter etabliert. Dies ist nicht nur eine RTF; es ist ein getarntes Bergzeitfahren, bei dem das Thema Drafting hinfällig wird, sobald sich die Straße dem Frankfurter Himmel entgegenstreckt. Klassikerspezialisten wissen: Wer am Feldberg den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, hat im rasanten Finale Richtung Eschborn keine Chance mehr.
Drei Distanzen, ein Asphalt
Für diejenigen, die nicht die ewige Qual der über tausend Höhenmeter suchen, bietet die 90 Kilometer lange ADAC Velotour Taunus Express die taktischere Option. Hier fehlen die extremsten Spitzen, doch der hohe Speed erfordert echte Wettkampf-Watt. Am anderen Ende des Spektrums hat sich die ADAC Velotour Skyline über 40 Kilometer zum Kriterium für reine Roller entwickelt – ein flacher, elektrisierender Kurs, auf dem der Gegenwind schnell dafür sorgt, dass der „Mann mit dem Hammer“ zuschlägt, wenn man sich im Peloton nicht richtig positioniert.
Die Wetterprognose verspricht klaren Himmel und kühle Temperaturen – ideale Bedingungen, um auf den Zeitnahme-Sektoren neue Bestzeiten aufzustellen. Der deutsche Asphalt ist makellos, aber in den technischen Abfahrten des Taunus tückisch und verlangt volle Konzentration. Reifendruck und die richtige Übersetzung sind die Themen in der Startzone in Eschborn, wo der Duft von Kettenöl und Embrocation bereits in der Luft liegt. Sobald die Startflagge fällt, kennt der Kampf um den hessischen Asphalt keine Freundschaften mehr.