Das Echo der bayerischen Kuhglocken hallt bereits am Fuße der Alpen wider; das ist keine Postkartenidylle, sondern die Vorbotin dafür, dass Deutschlands ältester Triathlon bald seinen körperlichen Tribut fordert. An diesem Sonntag stellt die 44. Auflage des Allgäu Triathlon nicht nur die 3.500 Angemeldeten im eiskalten Wasser des Großer Alpsee auf die Probe, sondern bestätigt auch die Rückkehr der 1. Triathlon-Bundesliga auf den Asphalt von Immenstadt, was die Wattzahlen und den Puls bereits ab Freitagnachmittag in die Höhe treibt.
Die vertikale Hölle des Kalvarienbergs
Wenn es einen Punkt gibt, der dieses Rennen definiert, dann ist es der Kalvarienberg. Egal, ob man beim Allgäu CLASSIC (Mitteldistanz mit 92 km Radfahren) oder beim Allgäu OLYMP startet; alle müssen diese Asphaltwand bezwingen, an der Windschattenfahren keine Rolle mehr spielt und die Trittfrequenz zur Qual wird. Mit Rampen, die einen zwingen, sich über den Lenker zu winden, ist dieser Sektor der Scharfrichter, der darüber entscheidet, wer mit fitten Beinen auf die Laufstrecke geht und wen der Mann mit dem Hammer erwischt, bevor er den Asphalt unter die Füße bekommt.
Der Bundesliga-Faktor und das frenetische Tempo
Die eigentliche Nachricht in diesem Jahr ist die Konsolidierung des Events als Epizentrum des deutschen Hochleistungssports. Die Einbindung der Bundesliga am Freitag garantiert, dass das Niveau beim Allgäu SPRINT und den Elite-Rennen atemberaubend sein wird. Wir werden messerscharfe Wechsel und Lauftempos von unter 3:00 min/km in einer Umgebung sehen, die historisch gesehen jeden bestraft hat, der die Höhenmeter der Region Bayern nicht zu managen weiß. Die Puristen des Old-School-Triathlons beäugen die Wattmesser misstrauisch, während die jungen Talente versuchen, die Uhren auf einer Strecke zu brechen, die keine taktischen Fehler verzeiht.
Für diejenigen, die sich an die Königsdisziplin wagen, liegt die Herausforderung in den 1.240 Höhenmetern auf dem Radsplit. Der Allgäu CLASSIC ist eine Achterbahnfahrt, die eine absolute Kontrolle der funktionellen Schwelle erfordert. Das Schwimmen, mit dem mittlerweile legendären Coffee Boat, das mitten im See Koffein serviert, wird der letzte Moment der Ruhe vor einer Schlacht sein, die im Zielbereich von Bühl endet – unter einem Regen von Applaus und dem unaufhörlichen Läuten der Glocken, die seit 1983 den Rhythmus des europäischen Triathlons vorgeben.