Der Mythos des Thüringer Waldes ist unantastbar, doch in diesem Jahr steht der 53. GutsMuths-Rennsteiglauf vor einer Herausforderung, die über seine volkstümlichen Wurzeln hinausgeht: Das Management eines Teilnehmerfeldes, das die technischen Single-Tracks der Strecke zu sprengen droht. Mit Anmeldezahlen, die an der historischen Marke von 15.000 Teilnehmern kratzen, ist die eigentliche Nachricht der Woche in Schmiedefeld nicht, wer zuerst die Ziellinie überquert, sondern wie das größte Breitensportevent Mitteleuropas seine reine Cross-Country-Essenz bewahren will, ohne am eigenen Erfolg zu ersticken.
Der Beinbrecher von Oberhof und der Zeitdruck
Der Fokus verlagert sich diesen Samstag auf den Halbmarathon. Mit Start in der Wintersportmetropole Oberhof hat sich diese 21,4 Kilometer lange Distanz mit über 6.000 Läufern zum finanziellen und logistischen Motor der Veranstaltung entwickelt. Für Trail-Puristen ist die Gefahr von Staus in den ersten Anstiegen zum Rennsteig-Kamm real. Die Elite-Athleten, die eine Zeit unter 1:10 Stunden anpeilen, fürchten, dass die Dichte des Pelotons auf den Waldpfaden den Rhythmus beeinträchtigt – in einem Rennen, in dem es kein Drafting gibt, wohl aber den menschlichen Faktor des ständigen Überholens.
Neuhaus: Der Marathon sucht seinen neuen König
Unterdessen präsentiert sich der 42,26 Kilometer lange Marathon in Neuhaus am Rennweg als taktische Abnutzungsschlacht. Ohne Preisgelder – eines der unverhandelbaren Markenzeichen der Organisation – speist sich die Startliste aus regionalen Spezialisten und Langstreckenläufern, die den Prestige eines Sieges im „grünen Herzen“ Deutschlands suchen. Das Profil täuscht nicht: Es ist ein ständiges Auf und Ab, das die Oberschenkel malträtiert, bevor der finale Abstieg nach Schmiedefeld ansteht. Entscheidend wird das Energiemanagement bei Kilometer 30 sein, wo „der Mann mit dem Hammer“ oft in Form von nassen Wurzeln und Schlamm lauert, der sich nach den angekündigten Regenschauern angesammelt hat.
Die Organisation hat die Verpflegungsstationen verstärkt und hält an der Tradition der Kloßparty fest, doch das Augenmerk der Offiziellen liegt auf der Umweltbelastung des ältesten Weitwanderwegs des Landes. In einem Ausdauersport, der zur extremen Professionalisierung neigt, bleibt der Rennsteiglauf das letzte Bollwerk der sportlichen Romantik – auch wenn in diesem Jahr, bei überfülltem Wald, die Jagd nach dem Streckenrekord gegenüber der Logistik dieser wachsenden Menschenmassen zweitrangig erscheint.