Die angespannte Ruhe in Courmayeur endet diesen Sonntag mit dem Start des TOR330 - Tor des Géants. Doch alle Blicke richten sich auf ein Phantom, das die Pfade des Aostatals heimsucht: den stratosphärischen Rekord von 66 Stunden und 8 Minuten, den Victor Richard letztes Jahr aufstellte. Nach einem Jahrzehnt, in dem die Dominanz von Franco Collé unantastbar schien, hat die neue Generation von Ultra-Ausdauerläufern einen Überlebenskampf in einen qualvollen Dreitages-Sprint ohne Schlaf verwandelt.
Duell der Titanen auf den Alte Vie
Das diesjährige Starterfeld ist ein Minenfeld für jeden Favoriten. Mit der Bestätigung von Spezialisten für technisches Single Track und Schlafmanagement liegt der Fokus darauf, ob die Routine von Läufern wie Damian Hall, ein Stammgast in den Top 5, dem Druck der jungen Talente standhalten kann, die die 66-Stunden-Marke unterbieten wollen. Die Strecke, ein kreisförmiger Beinbrecher mit 25 Pässen über 2.000 Metern, verzeiht keinen schlechten Wechsel in den Verpflegungsstationen (Life Bases) und keinen Fehler bei der Hydrierung.
Der Schatten der Erschöpfung beim Tor des Glaciers
Während sich das Hauptfeld auf den TOR330 vorbereitet, haben die 200 Auserwählten des TOR450 - Tor des Glaciers bereits ihr erstes Pulver verschossen. Dieser Modus, der über die vergessenen Alte Vie 3 und 4 führt, erzwingt reine GPS-Navigation, ohne Markierungen und in totaler Autonomie. Hier gibt es kein Windschattenlaufen; es ist der Läufer gegen die Gletscher. Die Wettervorhersage kündigt plötzliche Umschwünge in den Höhenlagen an, die den Aufstieg zum Col Loson in eine Falle aus Kälte und eisigem Wind verwandeln könnten.
In der Frauenkategorie liegt die Messlatte nach der Galavorstellung von Katharina Hartmuth in der Stratosphäre. Die Deutsche durchbrach die 80-Stunden-Barriere und machte deutlich, dass die psychologische Mauer des Tor gefallen ist. In diesem Jahr besteht die Strategie der Favoritinnen darin, die Stopps in den Hütten zu minimieren und in den technischen Abstiegen zu attackieren, wo die Knie die Qualen von 24.000 Höhenmetern ertragen müssen. Hier ist kein Platz für den Mann mit dem Hammer; im Aostatal verschlingt dich der Berg, wenn du zu lange innehältst.