Rom verzeiht keine Fehler, und die diesjährige Corsa dei Santi setzt noch einen drauf: mit einer Strecke, die gleichermaßen Mystik und physische Qual bedeutet. Der Giro delle Quattro Basiliche festigt seinen Ruf als Kronjuwel dieser 18. Auflage und zwingt die Läufer auf einen 19,5 Kilometer langen Stadtkurs, der zwar keine echten Pässe hat, sich aber durch die tückischen sampietrini und engen Kurven der Altstadt als permanenter Beinbrecher entpuppt.
Die eigentliche Nachricht in diesem Jahr ist nicht nur die Distanz, sondern der Zustand des Untergrunds und das Wetter am 1. November. Nach einem ungewöhnlich feuchten Herbst im Lazio versprechen die Kopfsteinpflaster-Passagen am Kolosseum und der Via dei Fori Imperiali eine Rutschpartie für alle zu werden, die nicht auf ihre Schritttechnik achten. Dies ist kein Rennen für eine neue Bestzeit über 10 km (die parallel ausgetragen werden); es ist ein technischer Überlebenskampf, bei dem das Laufen im Windschatten auf breiten Alleen wie der Via della Conciliazione entscheidend sein wird, bevor es in die verwinkelte Altstadt geht.
Das diesjährige Solidaritätsprojekt für den Brunnenbau im Kongo hat eine Elite-Startliste angelockt, der es um mehr als nur die Uhr geht. Ein hochintensives Duell wird bei der Staffetta della Pace erwartet, bei der Vierer-Staffeln das Holz vor Monumenten wie San Paolo Fuori le Mura und Santa Maria Maggiore übergeben. Beim Hauptlauf über 19,5 km wird Kilometer 14 zum psychologischen Mann mit dem Hammer: Nach der majestätischen Kulisse von San Giovanni nehmen die Athleten das Schlussstück Richtung Petersplatz in Angriff – mit Beinen, die von den Vibrationen des unebenen Bodens bereits gezeichnet sind.
Wer einen touristischen Spaziergang durch die Ewige Stadt erwartet, hat die falsche Startnummer gewählt. Mit einem technischen Start um 8:30 Uhr im Schatten des Vatikans wird das Tempo vom ersten Meter an frenetisch sein. Crosslauf-Spezialisten und Kenner von Stadtkursen mit tückischen Höhenmetern sind gegenüber reinen Bahnläufern im Vorteil. Rom bietet die Bühne, aber der Asphalt wird das Urteil fällen.