Das Thermometer in den Hautes-Alpes droht die Stoppuhren und die physische Ausdauer der 1.500 Mutigen zu sprengen, die sich am 15. August am See von Embrun einfinden. Es sind nicht nur die Höhenmeter, sondern die für die Mittagszeit vorhergesagten 36 Grad, die die Verpflegungsstationen zum Hauptaugenmerk der Teamleiter gemacht haben. In einer Edition, in der der Rekord von Marcel Zamora aufgrund der Witterung sicherer denn je scheint, steht das Pacing über die 231 Kilometer des Kurses über der rein kompetitiven Strategie.
Der Riese Izoard und die Hitzefalle
Den Col d'Izoard auf 2.360 Metern Höhe zu bezwingen, ist für jeden Langdistanz-Triathleten ein Initiationsritus. Doch in diesem Jahr beginnt die wahre Schlacht erst in der Abfahrt nach Briançon. Wetterberichte deuten auf thermische Windböen hin, die die Stabilität der Zeitfahrmaschinen in den schnellen Passagen gefährden könnten. Mit insgesamt 5.400 Höhenmetern bleibt der Embrunman der härteste Triathlon der Welt – ein Label, das man sich redlich verdient, wenn der Asphalt an der gefürchteten Mauer von Pallon die Hitze zurückstrahlt.
Duell der Titanen im Schatten
Trotz der Abwesenheit einiger Ironman-Stars aufgrund des olympischen Kalenders bietet die diesjährige Startliste ein faszinierendes Generationenduell. Die Routine der Bergspezialisten trifft auf die Explosivität der Jungen, die vom Quart Embrunman kommen und dieses Jahr den Sprung auf die Königsdistanz wagen. Auf der Kurzdistanz dienen die 1.120 Höhenmeter auf nur 54,5 Kilometern als Gradmesser für die Leidensfähigkeit des europäischen Nachwuchses. Windschattenfahren ist im olympischen Format zwar erlaubt, wird aber an Rampen, an denen jeder nur noch ums Überleben kämpft, irrelevant sein.
Der technische Schlüssel liegt in der gewählten Übersetzung. Die Mechaniker in der Expo-Area montieren bereits Kassette mit 32er und 34er Ritzeln – ein Setup fast wie für einen Jedermann, aber notwendig, um die Quadrizeps vor dem abschließenden Marathon nicht zu grillen. Vier flache Runden um den See zu laufen, nachdem man die Beine in der Casse Déserte malträtiert hat, ist eine Übung in Masochismus, die nur die Auserwählten unter zehn Stunden beenden werden. Hydrierung und Natriumkontrolle entscheiden darüber, wer die Arme hochreißt und wer mit einem monumentalen Mann mit dem Hammer unter der Alpensonne im Sanitätszelt landet.